Eva-Maria Hagen als DDR-Stern

  1957  DIE BEKLEIDUNG
       
 

ASTRONOMISCHES --!

Tausend Sterngucker auf der ganzen Welt sitzen Nacht für Nacht und Tag für Tag hinter ihren Fernrohren und beobachten den Himmel. Ihren Himmel. Nichts entgeht ihnen, was sich da in unvorstellbaren Sphären abspielt, leuchtet und funkelt und in gewohnten Bahnen seine Kreise und Ellipsen zieht. Aber einem, irgendeinem dieser Weltraumergründer irgendwo hinter dem kristalltiefgeschliffenen Okular tritt plötzlich feiner Schweiß auf die Stirn, seine sonst so sachlich kühlen Hände suchen nervös die höchstmögliche Schärfe seines Objektivs einzustellen. Sein Auge haftet fest an dem Teleskop, daß sich, als er endlich aufatmend zurücktritt, ein roter Druckring oberhalb des Backenknochens in seine Haut gepreßt hat. Ein nochmaliger herztiefer Atemzug, - und schon klebt er wieder an der Linse. Und wie er sich nach minutenlanger Beobachtung abermals aufrichtet, ist sein Gesicht stolzverklärt und mit fester Hand trägt er eine astronomisch-mathematische Positionsmeldung in das Tagebuch der Sternwarte: Ein neuer Stern ist entdeckt! Nun, es gibt mehrere Himmel, - und Verliebte sollen sich der Sage nach schon im siebenten Himmel befunden haben. Daß es aber neben dem allgütigen, die ganze Erde deckenden Himmel des Weltalls noch einen Filmhimmel gibt, an dem auch Sterne leuchten, kommen und gehen -. ist eine iedem Kind bekannte Realität. Auch hier werden neben bereits bekannten Größen - den Stars - neue Talente, neue Sterne entdeckt. Eva Maria H a g e n , die uns auf diesen Seiten in scharmanten Bildern vorgestellt wird, ist eine solche "Nova", eine Neuentdeckung, der die Leute "vom Bau" - die es ja wissen müssen, die besten Prognosen stellen. Wir wollen es den Premieren ihrer demnächst herauskommenden Filme "Vergiß mir meine Traudel nicht" und "Spur in die Nacht" überlassen, in welcher Lichtstärke sie den Himmel des Zelluloids zu erhellen gedenkt; denn wir sind kein Filmjournal und unsere Aufgaben liegen auf anderen Gebieten. Wir wissen nur, daß die junge Schauspielerin ein liebenswerter Mensch ist, der seinen Beruf sehr ernst nimmt und hart an sich arbeitet. Und an ihrem Beispiel müssen wir mit einem Nimbus aufräumen, der sich unberechtigterweise um das Dasein von künstlerisch-tätigen Menschen gewoben hat. Nein, das ist kein sorgloses, spielerisches, genußvolles, jeder tatsächlichen ernsten Arbeit entzogenes Leben, - im Gegenteil. Künstler sind werktätige Menschen, wie alle anderen auch, die sich ihr tägliches Brot verdienen müssen. Eva Maria Hagen ist eine schöpferische Frau, und als vorbildliche Mutter und liebevolle Gattin überreich mit Aufgaben und Pflichten bedacht. Ihr bisheriges Leben, ihre Jugend, war alles andere als rosig, und alle Energie und aller Fleiß wären vielleicht vergeblich gewesen, wenn in unserem Staat nicht jedem, der vorwärtskommen will und das Zeug dazu hat, alle Türen offen stünden. Und wenn am 7. Oktober unsere Republik ihren 8. Geburtstag feiert, so haben gerade die jungen Menschen allen Anlaß, sich an diesem Tage dankbar und stolz ihrer schützenden und fördernden Gemeinschaft bewußt zu werden.

Natürlich hat die junge Künstlerin auch ihrem Beruf manchen Tribut zu zollen: Massage, Gymnastik, Friseur, Regiebesprechung, Rollen Studium, Synchronaufnahme. Kostüm- und Kleiderprobe - halt da sind wir, wo wir hingehören, das fällt eindeutig in unser Bereich, Selbstverständlich muß Eva Maria für alle Zwecke die richtige Kleidung haben, vor der Kamera sowohl als auch im zivilen Leben. Während aber ihre persönlichen Wünsche bei der Arbeit den Erfordernissen ihrer Rolle untergeordnet bleiben müssen, darf sie sich privat nach Lust und Geschmack auswählen, was ihr gefällt, sie kleidet und - was der Geldbeutel erlaubt. Denn das physikalische Gesetz, wonach Wasser bei 100 Grad kocht, gilt auch für sie. Aber schließlich: Einmal ist ja Gagentag, und an diesem Tag scheint die Sonne eben heller - -. Der Einkaufsbummel, den wir mit ihr, - nachdem wir sie in ihrem Heim beim Rollenstudium mit Oswald, ihrem an der Stehlampe herumturnenden Maskottchen, ihrem Glücksäffchen - überrascht hatten, zeigte einen beachtlichen Fortschritt, den unsere Bekleidungsindustrie im Vergleich zu den Vorjahren gemacht hat, und die vielen gut angezogenen Frauen und Mädchen auf der Straße, in den Bahnen, Büros und Fabrikationsstätten - ja, auch da -, in Gaststätten und im Theater, beweisen, daß dieser Fortschritt, diese Aufwärtsbewegung einen sehr beachtlichen Leistungsstand erreicht hat. Und es ist kein Geheimnis, das wir preisgeben, wenn wir sagen, daß im kommenden Jahr das Angebot noch reichhaltiger, noch mannigfacher und noch geschmackvoller sein wird. Die Bekleidungsindustrie arbeitet fieberhaft dafür. Eva Maria aber hat sich inzwischen verliebt, verliebt in ein Abendkleid für besonders festliche Gelegenheiten. Nachdenklich steht sie da. Ob sie an ihre Premieren denkt? Der silberweiße Brokat bauscht sich um ihre mädchenhafte Schlankheit und zwingt zu harmonischem Schreiten. Das langfallende blaue, innen weißgefütterte Samtcape flößt Ehrfurcht ein und bietet im Rückspiegel die fast strenge Stilistik venezianischer Dogen dem Beschauer an. Gelockert, burschikos dagegen enganliegende schwarze Tuchhosen und ein allerliebstes Sportblüschen, das seine Effekte aus Raffinement und Einfachheit mixt. Kleidsam und immer praktisch ist dieser moderne Anzug für jeden, der seine Grenzen kennt.

Bei dem flotten Norweger-Pulli strahlt sie, unsere Eva Maria, und hat auch allen Grund dazu; denn hier war der Gatte Kavalier und sprach gelassen und ohne Zittern die klassischen Worte: "Den bezahle ich!" - Ja, meine Damen, soooo schlecht sind die Männer gar nicht, - besonders, wenn sie so eine scharmante tüchtige kleine Frau haben! Zufrieden verläßt sie danach das Damenbekleidungsgeschäft in der Stalinallee. Ein schicker sportlicher Raglanmantel aus grobem Tweed mit praktischem und sehr kleidsamem Kapuzenkragen - dazu Handschuhe aus schwarzem Bergziegenleder - beweisen, daß eine schöne Frau großes Geld immer und überall auf der Erde schnell und sicher klein kriegt. Aber dazu ist es ja schließlich da, nicht wahr, Eva Maria? Zum Abschied neige ich mich über eine zarte Hand. "Grüßen Sie bitte Oswald!" sage ich. " -- und Sie Ihre Muse!" Kopfschüttelnd gehe ich davon. Wie sich doch alles so herumspricht - -!   

Ferdinand Holzer
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Nachdenklich steht Eva Maria Ob sie wohl an ihre
Premieren denkt?

Eigentlich hat sie dafür noch kein passendes Kleid.
Dieshier könnte ihr schon gefallen

    

Kleidsam und immer praktisch ist dieser
moderne Anzug für jeden,
der seine Grenzen kennt

    

 

 

Vor 50 Jahren, im Sommer 1961, wurde die Berliner Mauer errichtet

 

 

Eva Maria Hagen und ihr Töchterchen Nina beim "Studium" der neuesten Modezeitungen

 

 

"Oswald" muß immer dabeisein - sei es beim Rollenstudium oder bei der Filmarbeit. Er soll ja Glück bringen -- toi-toi-toi!!


Wer wie Frau Hagen viel unterwegs ist, kann einen solchen bequemen Reisemantel schon gebrauchen


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