Alles zu Wolf Biermann

     Laudatio auf Wolf Biermann anlässlich der Verleihung des Nationalpreises

   
 
Der Staatsminister für Umwelt und Landesentwicklung des Freistaates Sachsen, Arnold Vaatz, hat aus Anlaß der Verleihung des Nationalpreises an Wolf Biermann am 17. Mai 1998 in Berlin folgende Rede gehalten:

Wolf Biermann eignet sich eigentlich eher als Stoff für den noch ungeschriebenen Roman über Deutschland nach dem 2. Weltkrieg als für eine feierliche Lobrede. Ich will deshalb einfach versuchen, aus seinem Leben zu erzählen.

Ein Stück Seele der deutschen Arbeiterschaft hat er von Anfang an mit auf den Weg bekommen: ihr Sehnen nach einem besseren Leben, ihren Traum von einer gerechteren Welt, ihren Alltag aus Elend und Schwachheit und dem täglichen Ringen ums Überleben:

"Als meine Oma ein Baby war
Vor achtundachtzig Jahrn
Da ist ihre Mutter im Wochenbett
Mit Schwindsucht zum Himmel gefahrn"
,
singt Wolf Biermann zur Gitarre,
  "Als meine Oma ein Baby war
Ihr Vater war Maschinist
Bis gleich darauf die rechte Hand
Ihm abgerissen ist."

Bei dieser Oma, in einer Hamburger Arbeiterfamilie, lernt er das Laufen, das Denken und das Sprechen. In Hamburg-Altona in seinem Arbeitszimmer hängt eine Fotografie an der Wand, auf der sein Großvater Karl-Dietrich zu sehen ist. Er schleppt auf einer wackligen Leiter ein abenteuerlich geschnürtes Bündel Ziegelsteine auf dem Rücken nach oben. Damit verdiente er den Lebensunterhalt.

Seinen Vater Dagobert lernte Wolf Biermann kaum kennen. Er starb in Auschwitz. Mit Akribie übertrug Wolf Biermann später den "Großen Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk" vom Jiddischen ins Deutsche. Der Jude Jitzak Katzenelson hatte diesen Gesang verfaßt und vor seinem Transport nach Auschwitz das Manuskript in drei Flaschen verborgen und vergraben. Er starb am ersten Mai 1944 in Auschwitz. Am selben Ort wie Dagobert Biermann. [...]  
Wolf Intervie Welt am Sonntag über 1968erDie vollständige Laudatio lesen
   

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